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Diese zwei Start-ups aus der Gesundheitsversorgung sollten Sie im Blick behalten

XVision und Tendertec wurden in einem von Health VentureLab in Ungarn organisierten Wettbewerb für Gesundheitsinnovationen als Gewinner ausgezeichnet

Das Röntgenverfahren hat sich seit seiner Entdeckung im Jahr 1895 zu einem der wichtigsten und am weitesten verbreiteten diagnostischen Hilfsmittel in der modernen Medizin entwickelt. Seine Beliebtheit ist jedoch für viele Radiologen auch ein Problem. Die Anzahl der Aufnahmen, die Radiologen überprüfen müssen, wächst exponentiell. Zugleich gibt es aber viele Länder, in denen es nicht genug Radiologen gibt, um diese Bilder auszuwerten.

Prognosen zufolge werden in Großbritannien bis zum Jahr 2022 mindestens 1.600 diagnostische Radiologen fehlen (Quelle: Clinical radiology: UK workforce census 2017 report). Dies ist bereits heute ein Problem. Laut einer Studie des Royal College of Radiologists (RCR) können beispielsweise fast 97 % der radiologischen Abteilungen in England die Anforderungen an die Berichterstattung in der Diagnostik nicht erfüllen. Für Patienten kann dies möglicherweise bedeuten, dass sie einen Monat oder länger auf ihre Ergebnisse warten müssen. Zudem nimmt die finanzielle Belastung laut dem Bericht weiter zu, da sich die Kosten für externe Services zur Auswertung der Bilder in den vergangenen drei Jahren auf 150 Millionen US-Dollar verdoppelt haben.

Diese Zahlen sind alarmierend. Aber für eine Gruppe rumänischer Studenten waren sie eine Chance.

Die vier Studenten entwickelten eine auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Röntgenanwendung namens XVision. Die Röntgenanalyseanwendung soll Anomalien und Krankheiten automatisch erkennen können, indem sie Röntgenbilder interpretiert und mögliche Anomalien innerhalb von Sekunden anzeigt. Zudem liefert die Anwendung eine Liste von Krankheiten, die diese Anomalien verursachen könnten und stellt eine Heatmap bereit, auf der potentiell problematische Bereiche hervorgehoben werden.

Das Team erhielt kürzlich den Preis „Rising Innovator” vom EIT Health VentureLab. EIT Health Venturel hat seinen Sitz in Budapest, Ungang und ist ein Programm für europäische Start-ups im Gesundheitswesen. Health VentureLab bietet ab April ein 6-monatiges Programm für Start-up-Unternehmen und -Teams in den Bereichen Naturwissenschaften und Gesundheitsversorgung an. Dazu gehören intensive monatliche Trainingseinheiten, Coaching und Mentoring sowie ein europaweites Netzwerk innerhalb des EIT Health.

XVision gewann den Preis am Demo Day, dem Abschlusswettbewerb des Programms, an dem 20 Top-Teams aus 14 europäischen Ländern teilnahmen.

XVision bewarb sich für den Health VentureLab Accelerator, weil sie über die technischen Fähigkeiten verfügten, aber nicht über die geschäftliche Expertise, um XVision auf den Markt zu bringen. „Wir wollten eine Mentorschaft und ein Netzwerk finden, das uns in diesem Bereich helfen würde – und das haben wir getan”, Cristian Avramescu, Technical Lead bei XVision.

„Health VentureLab half uns, neue Geschäftsmöglichkeiten zu identifizieren, unsere Schwachstellen zu analysieren und zu beheben, das komplizierte Geschäftsumfeld im Gesundheitswesen zu meistern und unser Netzwerk zu entwickeln. Alles in allem boten sie mehr als nur ihr Leistungsversprechen. Die Teilnahme am Programm hat wirklich dazu beigetragen, das Wachstum unseres Start-ups zu beschleunigen”, sagt Stefan Iarca, Business Manager von XVision.

Laut Kurt Höller, Direktor für Unternehmensgründung am EIT Health, ist genau das das Ziel des Programms.

„EIT Health kann durch ihre weltweiten Partnerschaften im Gesundheitswesen einen entscheidenden Beitrag zur Schaffung eines lebendigen und wettbewerbsfähigen Start-up-Ökosystems leisten”, sagt Kurt Höller, Direktor für Unternehmensgründung bei EIT Health.

Health VentureLab arbeitet mit mehreren Universitäten und Universitätskliniken sowie mit Industrieunternehmen der Medizintechnik, Biotechnologie und digitalen Gesundheitsindustrie aus der ganzen Welt zusammen, darunter GE Healthcare.

„Ich bin immer auf der Suche nach neuen Talenten und Ideen, um unser Geschäft voranzubringen”, sagt Attila Ferik, Senior Director of Software Engineering bei GE Healthcare. „Ich freue mich, dass wir die Möglichkeit haben, innovative Teams aus ganz Europa zu begrüßen und ihnen unsere Branche vorzustellen.”

Während des Demo Day gewann ein weiteres Unternehmen namens Tendertec den „Disruptive Product Award“ für sein personalisiertes Sicherheits- und Überwachungssystem für ältere Menschen. Das walisische Unternehmen nutzt KI, um im Notfall automatisch und in Echtzeit Pflegekräfte zu alarmieren und sie in die Lage zu versetzen, datengesteuerte Entscheidungen zu treffen, die die Betreuung und die Lebensqualität von Senioren verbessern.

„Der größte Beitrag des Health VentureLab-Programms zu Tendertec bestand in den großartigen Mentoren, mit denen wir zusammengearbeitet haben. Nachdem wir sicher waren, dass die teilnehmenden Unternehmen zu uns passen, konnten wir Mentoren auswählen, die uns auf mehreren Ebenen weitergebracht haben. Denkweise, Geschäfts- und Produktentwicklung sowie Strategie sind einige der kritischen Bereiche, die wir in nur vier Monaten voranbringen konnten. Ein echter Beschleunigungsprozess in der Praxis”, sagt Dr. Afroditi Maria Konidari und Rui Zhang, Gründer von Tendertec.