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Ein MRT auf Rädern: Dieser Scanner ist da, wo die Patienten sind

Das Universitätsklinikum Oulu in Finnland bringt Magnetresonanztomographie (MRT) in Regionen nördlich des Polarkreises

Jedem, der mutig genug ist an diesem eiskalten Wintermorgen vor den Türen des Universitäts-krankenhauses von Oulu in Nordfinnland zu bleiben, wird die Kälte in die Knochen kriechen. Das Thermometer misst -21 C˚. Hier, nur 161 km südlich des Polarkreises, ist das aber nichts Ungewöhnliches. Heute gibt es allerdings etwas zu sehen, dass es wert ist sich der Kälte zu stellen: Vor dem Krankenhaus steht ein brandneuer, glänzender Anhänger mit der Aufschrift „Mobiles MRT”. Im Inneren des Anhängers ist es gemütlich und warm.  Die Lichter sind hell und eine lebhafte Diskussion ist in vollem Gange. Tuija Mäkelä, MR-Anwendungsspezialist bei GE Healthcare, schult das Personal dieses neu erworbenen mobilen MRT-Anhängers. Teija Vikki und Jaana Jutila vom Krankenhaus Oulaskangas lernen, wie man das System nutzt.

Finnland grenzt an die Ostsee, den Bottnischen Meerbusen und den Finnischen Meerbusen sowie an Schweden, Norwegen und Russland und ist das nördlichste Land der Europäischen Union. Das finnische Gesundheitssystem wird häufig als eines der besten der Welt bezeichnet. In der Studie „Global Burden of Disease“, die 2018 von der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ (Quelle: Lancet, VOLUME 391, ISSUE 10136, P2236-2271, JUNE 02, 2018) veröffentlicht wurde, haben Hunderte von Forschern aus der ganzen Welt Themen wie Krankheitsstatistiken, Sterblichkeitsraten, Risikofaktoren und Gesundheitsprobleme in 188 Ländern genau untersucht und verglichen. Dabei wurden die Gesundheitsdienste in Finnland als einige der Besten weltweit bewertet.

Allerdings sind die nördlichen Teile des Landes dünn besiedelt und die Städte weit voneinander entfernt, was den Zugang zu spezialisierter Gesundheitsversorgung erschweren kann. Das Universitätskrankenhaus Oulu bedient ein Gebiet, das mehr als halb Finnland ausmacht und in dem mehr als 740.000 Menschen leben. Um eine qualitativ hochwertige diagnostische Bildgebung für Patienten in abgelegenen Regionen und außerhalb von Großstädten gewährleisten zu können, musste das nördlichste Universitätsklinikum der Europäischen Union kreativ werden. Die Lösung: Ein „MRT auf Rädern”, also ein MRT, das im Anhänger eines LKWs installiert wurde und somit transportabel ist.

„Wir wollten unsere Patienten in der Nähe ihrer Häuser versorgen”, sagt Professor Jaakko Niinimäki, Chefradiologe am Universitätsklinikum Oulu.  „Mit dem mobilen MRT können Patienten des Universitätsklinikums mit geeignetem Gerät untersucht werden, ohne unnötig zu reisen“, betont er.

Das neue mobile MRT ist das zweite, das das Krankenhaus erworben hat – das erste System ist bereits seit 11 Jahren im Einsatz. Das Konzept funktioniert so gut, dass das Krankenhaus ein weiteres mobiles MRT nutzen wollte. Mit dem neuen mobilen MRT werden hauptsächlich Patienten in den kleinen Städten Oulaskangas und Raahe, im Umkreis von etwa 160 km um Oulu versorgt.

Serviceleiter Jykri Tarkiainen, der im Bereich der Krankenhaustechnik arbeitet, gab dem neuen MRT seinen Namen: Terhi. Er hoffte darauf, dass Terhi, seinen Patienten ganz genauso weiterhilft wie Terhi Nevala. Nevala ist die Oberärztin der Radiologie und nahm eine aktive Rolle in dem Projekt für das mobile MRT ein.

Die nordischen Wetterbedingungen sind eine Herausforderung, für das mobile MRT. Das System muss an extrem kalten Tagen, trotz starker Schneefälle, oder bei Hitzewellen, wie im Sommer 2018 in Nordeuropa, einwandfrei funktionieren. Deshalb muss der LKW selbst besonders ausgestattet werden: Er wird in den Niederlanden vom Mobile Medical Imaging Experten „Lamboo Mobile Medical“ hergestellt und mit einem speziellen „Lappland”-Paket ausgestattet. Alle Wände, Böden und Türen sind beheizt, und die mobile Einheit sowie das MRT-System selbst werden besonders isoliert.

„Beim Einbau eines empfindlichen MRT-Systems in eine mobile Einheit müssen einige Herausforderungen und Aspekte berücksichtigt werden”, sagt Roope Salonen, MR Field Engineer bei GE Healthcare. Das System ist ständig auf der Straße und anfällig für Erschütterungen. „Temperatur- und Witterungsänderungen müssen auch bei der Installation, dem Scannen und der Wartung des Systems beachtet werden”, betont Salonen.

Neben den technischen Anforderungen wurde viel Wert auf die Patientenerfahrung gelegt. Einer der Hauptfaktoren, die das Patientenerlebnis beeinflussen, ist das MRT-System selbst. Die 70 cm breite Öffnung fühlt sich geräumig an, und auch wenn die Untersuchung im MRT ein gewisses Rauschen verursacht, die SilentScan-Technologie reduziert sie im Vergleich zu vorherigen Versionen, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen. Für den Scan erhält der Patient Kopfhörer und wird ermutigt, seine Lieblingslieder zu hören, während das Gerät seine Arbeit macht

Teija Vikki und Jaana Jutila vom Krankenhaus Oulaskangas und Anna-Kaisa Sakko von OYS besuchen eine Schulung, um zu lernen, wie man das neue MRT-System bedient.