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Sommer…Sonne…Notfallversorgung

Im Ernstfall müssen Ärzte auf eine mobile Ausrüstung setzen

Es ist Sommer. Die Sonne scheint, die Badeseen sind warm, und die laue Luft lädt zum gemütlichen Abend im Freien, zum Beispiel auf der Terrasse oder dem Balkon, ein. Während der Ferienzeit bieten sich außerdem – besonders auch für Familien – diverse Ausflugsziele an: Wasserspielpark, Zoo & Co. lassen einen den Alltag vergessen.

Was für die Einen nach purer Erholung klingt, ist für die Anderen jedoch eine Jahreszeit, in der es besonders hektisch zugeht: Laut dem Statistischen Bundesamt hat sich die Anzahl an tötlichen Verkehrsunfällen in 2018 gegenüber 2017 um um 3 % erhöht1. Einer der Einflussfaktoren bei Verkehrsunfällen ist das Wetter. In den Sommermonaten ist die Zahl der Unfälle erhöht, da sich viele ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer oder Fußgänger auf den Straßen befinden. Dazu kommen die vielen Urlaubsreisenden und die Motorradfahrer, die vermehrt in der warmen Jahreszeit unterwegs sind. So findet sich im Report “Unfallentwicklung  auf deutschen Straßen 2017”, des Statistischen Bundesamtes, beispielsweise, dass sich 65% aller Fahrradunfälle in den Monaten April bis September 2017 ereigneten.2

Vor allem Unfälle mit dem Motorrad sind durch die hohe Geschwindigkeit häufig folgenschwer. Das weiß Dr. Michele Zasa, ärztlicher Leiter der Clinica Mobile in Parma, Italien, leider nur zu gut: Die mobile Klinik ist da, wo Motorradprofis Rennen, wie den MotoGPTM oder die SuperBike Weltmeisterschaft, fahren. Die Klinik folgt den Fahrern durch 16 Länder auf vier Kontinenten und besteht aus mobilen Versorgungseinheiten, wobei die größte davon 150 m2 groß ist. Mit einem mobilen Ultraschallgerät werden die Extremsportler direkt vor Ort untersucht und bekommen umgehend einen individuellen Behandlungsplan, der Orthopäden und Physiotherapeuten einschließt. Anschließend können der Fortschritt und die Behandlung mit dem mobilen Ultraschall überwacht werden.

Doch nicht nur auf den Straßen ist die Zahl der Rettungseinsätze im Sommer hoch: Im Hitzemonat Juli sind rund 20 % mehr ADAC Rettungshubschrauber zu Einsätzen ausgerückt als an normalen Tagen. Bei jedem zweiten Fall handelte es sich dabei um einen internistischen Notfall, wie zum Beispiel akute Herz-Kreislaufbeschwerden. Mit bundesweit 5555 Rettungseinsätzen hat der Juli 2019 sogar den Einsatzrekord vom Hitzemonat Juli 2018 um 48 Notfallrettungen übertroffen: Alleine der bekannte Berliner Rettungshubschrauber „Christoph 31“ brachte es am 4. Juli 2019 auf 13 Einsätze.3

Der wesentliche Vorteil der Luftrettung liegt auf der Hand: Vor allem in ländlichen Regionen, ist kein Verkehrsmittel so schnell am Einsatzort wie ein Helikopter. In den meisten Fällen ist ein Rettungshubschrauber in unter zwei Minuten auf dem Weg zum Patienten, die Transportqualität zur Klinik ist hoch. In anderen Fällen gibt es zur Luftrettung schlicht keine Alternative, beispielsweise dann, wenn der Unfallort anderweitig unzugänglich ist. In den Alpen schnellt die Zahl der Unfälle in den Sommermonaten beispielsweise ebenfalls nach oben – Wandern, Bergsteigen und Mountainbiken werden immer beliebter. Die Bergrettung Salzburg verzeichnete aus diesem Grund im Jahr 2018 einen Anstieg der Rettungseinsätze um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr, mit einem Häufigkeitsgipfel in den Monaten Juli und August. Bei mehr als der Hälfte der Einsätze handelt es sich um harmlosere Verletzungen durch Umknicken oder Stürze. 4

 

Luftrettungscrews setzen mittlerweile auf verhältnismäßig kleine Technologien, die mobil sind, um die Versorgung zu sichern: Die US-amerikanische Luftrettungsorganisation Geisinger Life Flight nutzt beispielsweise ein mobiles Ultraschallgerät im Smartphone-Format. So können die Retter die Situation vor Ort einschätzen und bereits an Ort und Stelle Behandlungsentscheidungen treffen. Durch den Geräuschpegel und die Vibration im Helikopter sind Herz- und Lungengeräusche mit dem Stethoskop schwer abzuhören. „Mit dem Ultraschall können wir lebensbedrohliche Verletzungen, wie zum Beispiel einen Pneumothorax, erkennen und die Ärzte auf dem Boden informieren, so dass der Patient beim Eintreffen in die Notaufnahme unverzüglich die notwendige Behandlung erhält“, sagt Dr. Robert Strony, ärztlicher Leiter der Einsatzzentrale bei Geisinger.

 

Mobile Technologien werden auch abseits von Notfällen immer relevanter für die medizinische Versorgung

Doch nicht nur auf dem Gebiet der Notfallversorgung spielt das Thema Mobilität eine große Rolle. Bei der medizinischen Versorgung in ländlichen Gegenden verfolgt die Universitätsklinik in Oulu in Finnland mit einem MRT-Anhänger den mobilen Ansatz auch zur qualitativen Verbesserung der Untersuchungen. Die Gesundheitsversorgung in Finnland gilt als eine der besten weltweit, und das obwohl Teile des Landes dünn besiedelt und die Städte weit voneinander entfernt sind. Mit dem „MRT auf Rädern“ kann hochwertige bildgebende Diagnostik selbst in den entlegensten Gegenden stattfinden und wird auch für Patienten erreichbar, die an ihrem Wohnort keinen Zugang zu entsprechend ausgestatteten Praxen oder Kliniken haben.

Daran lässt sich erkennen, dass der Stellenwert von mobiler medizinischer Versorgung, besonders im Bereich der Notfallversorgung im Sommer zwar durch die erhöhten Unfallstatistiken in den Vordergrund rückt, der Bedarf an mobilen Technologien jedoch das ganze Jahr über eine große Rolle spielt und durch Trends wie bestimmte Sportarten immer wichtiger wird. Rettungscrews müssen in der Lage sein, schnell vor Ort zu sein, Behandlungsentscheidungen innerhalb von kurzer Zeit zu treffen und Informationen an weiterbehandelnde Ärzte und Kliniken effizient und zeitsparend schon aus dem Rettungstransport weiterzugeben.

 

Interesse an weiteren Informationen rund um mobile Versorgung? Lesen Sie unsere anderen Artikel zu diesem Thema:

Ein MRT auf Rädern: Dieser Scanner ist da, wo die Patienten sind

The fastest drivers in the world and the doctors who treat them

Flight Paramedics Treat Patients Up in the Air with Handheld Ultrasound

 

 

1 Statistisches Bundesamt, Straßenverkehrsunfälle 2018: 3% mehr Tote und 1,5% mehr Verletzte, Pressemitteilung Nr. 260, vom 9. Juli 2019
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/07/PD19_260_46241.html

2 Statistisches Bundesamt, Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2017, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressekonferenzen/2018/Verkehrsunfaelle-2017/pressebroschuere-unfallentwicklung.pdf?__blob=publicationFile&v=3

3 ADAC, Pressemeldung vom 02.08.2019 „Hitze sorgt für Hochbetrieb bei der ADAC Luftrettung“

https://presse.adac.de/meldungen/adac-stiftung/luftrettung/hochbetrieb-bei-adac-luftrettung-wegen-hitze.html

4 Salzburg 24.at “Rekord an Einsätzen in Salzburg“ 01. April 2019 09:29 Uhr 

https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburg-bergrettung-mit-neuem-rekord-an-einsaetzen-68130838