Print Friendly, PDF & Email

Standpunkt: Stärkere Tumor Boards durch Digitalisierung

Entlastung für Ärzte und mehr Zeit für Patienten

Von Mathias Goyen, Prof. Dr.med.

Patientenfälle können komplex sein, ebenso wie Krebserkrankungen. Häufig sind bei der Behandlung eines Krebspatienten Ärzte aus mehr als einer Fachrichtung involviert. Ein multidisziplinäres Behandlungsteam oder auch „Tumor Board“ vereint Experten der verschiedenen Fachrichtungen abhängig von der Krebsart, wie z.B. chirurgische Onkologen oder Radioonkologen, Pathologen, Radiologen, plastische Chirurgen und Krankenpflegepersonal. So können die Experten als Team zusammentreffen, gemeinsam schwierige Fälle besprechen, und die bestmögliche Behandlung für jeden Krebspatienten finden. Das Team berücksichtigt die Krankengeschichte des Patienten, radiologische und pathologische Befunde, medizinische Aspekte, sowie Best-Practice-Ansätze und mehr.

Solche Tumor Boards sind noch relativ neu im Gesundheitswesen und auf einen uneingeschränkten Zugriff auf Patientendaten angewiesen. Allerdings kann es einige Stunden und manchmal sogar Tage dauern, bis das Tumor Board die notwendigen Daten für den Behandlungsverlauf zusammenstellen kann. Der Grund dafür sind hauptsächlich die unterschiedlichen Speicherorte der Daten. Statt Ärzte in ihrer Arbeit zu entlasten, werden diese Silos zu Zeitfressern, die stattdessen den Patienten gewidmet werden könnte.

Alle Daten an einem Ort

GE Healthcare und Roche haben nun die Einführung des NAVIFY Tumor Board 2.0 in Nordamerika* bekanntgegeben. Mit dem Tool für klinische Entscheidungen können Radiologen ihre Patientenakten auf dasselbe Dashboard, auf dem auch Akten von anderen Fachgebieten in der Krebsbehandlung gespeichert sind, hochladen, sodass die Tumor Boards über einen vollständigen und zentralen Überblick über jeden Patienten verfügen.

Aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Als ich noch als Radiologe gearbeitet habe und wir Tumor Board Meetings für 20 Patienten hatten, mussten wir die Daten für jeden einzelnen Patienten aufwending zusammenstellen. Aufnahmen und andere Untersuchungsergebnisse lagen häufig in Papierform, z.B. als Fax, vor. Diese Arbeit war sehr zeitintensiv, und wir mussten die Unterlagen mit unserem gebündelten medizinischen Wissen im Team auswerten. Mit dem NAVIFY Tumor Board 2.0, kann vieles davon digital abgewickelt werden.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass ein einzelnes, ganzheitliches Dashboard, das alle relevanten Daten und medizinische Aufnahmen enthält, den Onkologen-Teams hilft, sich effizienter vorzubereiten und schneller die Diagnose zu stellen.  Und ganz besonders wichtig: Sie können  für jeden Patienten den besten Behandlungsplan erstellen.

Behandlungserfolg durch individualisierte Versorgung

Einigen Berichten zufolge hatten Patienten, die eine gezielte Behandlung auf der Grundlage von Empfehlungen eines multidisziplinären molekularen Tumor Boards erhalten haben, bessere Behandlungsergebnisse aufgewiesen als Patienten, die nicht von den Behandlungsempfehlungen profitieren konnten. Dazu zählen eine insgesamt höhere Überlebensrate, längere progressionsfreie Überlebenszeiten und eine Tendenz zu einer längeren Behandlungszeit. (Quelle: Annals of Oncology).

Die Bündelung aller notwendigen Informationen in einem Tool hilft den Fachärzten, ihre begrenzte Zeit besser zu nutzen und das Augenmerk in den Meetings mehr auf die Details der relevanten Dateien zu legen. Das Ergebnis sind effizientere Prozesse und ein vollständiges Bild des Patienten im Sinne eines ganzheitlichen Umgangs mit Krankheiten.

Wenn wir einen präziseren Blick auf den Patienten haben, wird die Versorgung personalisiert und damit individuell auf jeden Patienten zugeschnitten.  

Prof. Dr. Mathias Goyen ist Chief Medical Officer Europe bei GE Healthcare. Dieser Artikel ist im Original hier erschienen.

 

*Das NAVIFY Tumor Board 2.0 ist anfangs in den USA und Kanada erhältlich, zusätzliche Märkte sind geplant. 

**In der Studie sind die gesündesten Patienten überrepräsentiert und es gibt keine Kontrollgruppe ohne MTB-Beteiligung. Dennoch sprechen die Ergebnisse für den Einsatz von MTBs bei Behandlungsentscheidungen(Annals of Oncology).